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Das Wundertütenkabinett

Managing Structural Bird Problems – Leere Nester besetzen

Es gibt Vogelarten, die sich den aufwändigen Nestbau ersparen und stattdessen die von ihren Artgenossen zurückgelassenen leeren Nester besetzen. Davon hörten die Philosophischen Bauern und fanden es vernünftig. Also lernten sie von den Vögeln, machten sich die Strategie der Besetzung zu eigen und erklärten sie zum Produktionsprinzip. Aber nicht für den Landbau, den die Philosophischen Bauern scheuen, sondern für die Herstellung von Büchern, die dazu anleiten sollen, die Natur durch Beobachtung und Versuche zu erforschen.

Sie entschlossen sich, das Buch zum Nest zu machen.

Prompt stießen sie auf den amerikanischen Grafikdesigner und Künstler Julien Montague, der solche Nester baut: Faux Books, künstliche Bücher, die nur aus einem Cover bestehen und ansonsten vollkommen inhaltsleer sind. Dieser Fund stimmte die Philosophischen Bauern froh und munter, zumal sich in Montagues künstlichen Bücherwelten ein Exemplar findet, das zu einer ornithologischen Versuchsanordnung einlädt.

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Vögel fangen

Die Philosophische Bauern besetzten dieses Buch mit großem Jubel und begannen sogleich zu grübeln: Was sind Strukturen? Was sind Probleme? Was sind strukturelle Vogelprobleme? Und auf welche Weise lassen sie sich bewerkstelligen? Schnell war man sich einig, dass Hilfe vonnöten war.

Also ging ein Ruf hinaus an Freunde, Bekannte, weniger Bekannte und an die Philosophischen Bauern selbst, sich in echten Texten mit den Fragen auseinanderzusetzen, die sich im frisch eroberten Nest stellten.

Zu jedem Text wurde zudem um Bildmaterial gebeten, das in irgendeiner Form zum Text in Verbindung steht. Denn der Philosophische Bauer ist musisch, er schaut gerne.

Und siehe da, von der bunten Schar der Literaten, Künstler, Wissenschaftler und Ornithologen kam eine Flut an Texten und Bildern mit Anregungen, Antworten, Reflexionen und auch neuen Fragen zu strukturellen Vogelproblemen und deren Lösungsmöglichkeiten: insgesamt sechzig gefiederte Fundstücke.

Ornithologisches Wundertütenkabinett

Die Philosophischen Bauern waren nun klüger und das Nest bunter als zuvor, aber auch zu klein. Also beschloss man einvernehmlich eine Nestflucht hinein in ein Ornithologisches Wundertütenkabinett, das geräumiger ist und Raum für Überraschungen offen hält.

Dort verrichteten die Philosophischen Bauern ihr schweißtreibendes Tagwerk: Texte lesen und setzen, Bildmaterial zerlegen, neu zusammensetzen und als künstlerische Druckgrafiken aufbereiten,

das Ganze in den Druck geben, zusammenlegen und schließlich einpacken.

Und zwar zu Ehren des 222-jährigen Geburtstages von Johann Andreas Naumanns Schrift Der Philosophische Bauer in einer Auflage von 222 Exemplaren – nach alter bäuerlicher Tradition natürlich in Handarbeit.

Und die Philosophischen Bauern sahen alles an, was sie gemacht hatten; und siehe da, es war sehr gut!