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Programm

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TAG 01 ORDO

Eine Konsultativkonferenz organisiert Ordnung in den unüberschaubaren Möglichkeiten, sich mit der bevorstehenden Veränderung auseinanderzusetzen. Hierzu nutzt sie eine kulturelle Errungenschaft, die sich traditionellerweise gegen Veränderung schützt: die Organisation. Ihr Beharrungsvermögen jedoch erlaubt es der Organisation, souverän und teilnahmslos über Veränderungen zu sprechen.

Am Eröffnungstag der Konferenz präsentieren sich die beteiligten Organisationen als Experten für anspruchsvolle Fragestellungen: Kann man am Anfang nicht anfangen? Wie kommuniziert man gefahrlos mit einem zweischneidigen Schwert? Sind Wermut­trinker Gründer von Widerstandsnestern? Wohnt im Bienenstock die Information über die letzten Tage? Ist eschatologische Forschung ohne Bienen denkbar? Wer besingt den kom­menden Untergang? Ist die Theorie des Untergangs praxistauglich? Ist, wer zuhört, im Vorteil?

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TAG 02        BASIS

Veränderungen beruhen der herkömmlichen Meinung nach auf Gründen. Nicht erst seit Aristoteles ist bekannt, dass Gründe nicht nur vielfältig sein können, sondern auch in verschiedene Richtung zielen, wobei vor allem die teleologischen Richtungen dem zeitgenössischen Denken so viele Probleme bereiten.

Die Konferenz geht deshalb am zweiten Tag den Schwierigkeiten der Erklärung von Gründen nach, indem sie sich in acht Vorträgen und Diskussionen folgenden Fragen widmet: Ändern sich basale Verhaltensweisen unter Laborbedingungen? Wie können visuelle Formulare eineindeutige Informationen erzeugen? Können falsche Gründe die richtige Antwort auf treffende Vergleiche sein? Sehen ohne zu sehen, hören ohne zu hören und ohne Grund verstehen: wie soll das vor sich gehen? Sind wissenschaftliche Methoden apokalyptisch anschlussfähig? Wie kann man finden, was nicht versteckt wurde? Inwiefern führen persönliche Begegnungen an nicht zivilisierten Orten zu Erleuchtungserlebnissen? Wie erholt man sich als Hermeneutiker vom Schock des universalen Verstehens?

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TAG 03       SPECTATOR

Seit der Beobachter im ausgehenden 18. Jahrhundert den Untiefen des unmündigen Weltzugriffs entstieg, gibt es nichts, das nicht seiner Beobachtung ausgesetzt ist. Der Beobachter beobachtet obsessiv, er lebt in einer Zwangsstörung. Aber er ist im Vorteil: er sieht, was andere nicht sehen – zum Beispiel die bevorstehende Veränderung.

Das Tagesprogramm nähert sich der Figur des Beobachters aus der Perspektive verschiedener Epochen und Problem­stellungen: Ist die Beobachtungskunst allmächtig? Liegt in den Niederungen der Niederlande die Revolution der Dioptrik? Was lernt der Beobachter im Anblick der Diana? Was hat Muscheltauchen mit Sinn zu tun? Wie beobachtet man das Unbeobachtbare? Kann göttliche Ahnung als Beobachtung gelten? Was hat an Gewitterwolken gewonnene Erkenntnis mit Erscheinung zu tun? Motiviert die Beobachtung der Seeschwalbe zum Tanz?

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TAG 04       ECCLESIA

Wenn die Gemeinde unter einem Dach vereint ist, kann die Kommunion erfolgen. Aber wenn nur einer quertreibt, entsteht das, was die Antike Problem genannt hat: ein Hindernis oder das, was zur Lösung vorgelegt wurde.

Die Konferenz geht am vierten Tag dem labilen Prozess der Gemeindebildung nach, indem sie sich zunächst einem Gebet und sodann folgenden Fragen widmet: Verursacht das vereitelte Attentat auf das neugeborene Messias-Kind eine kollektive Verzückung? Wie können kommende Drangsale in Gruppendynamiken vorweggenommen werden? Wie entstehen durch Widerstand gegen Gemeinschaften neue Gemeinschaften? Können durch Querschnittsaufgaben abstrakte Verbünde stabilisiert werden? Wie kann man sich trotz unbändiger Langeweile mit einem Aufgabenbereich identifizieren? Kann Gewaltabstinenz eine wahrhaftige Ökumene wirklich erreichen? Wie kann eine falsche Gewalt den richtigen Weg der Falschen verhindern? Welchen Belastungsstress erzeugen Abtrünnige in wohlgeformten Gemeinden?

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TAG 05       RATIO

Wandle dich so, dass die Maximen deiner Wandlung zum allge­meinen Gesetz werden können. So in etwa umkreiste schon der Kirchen­vater Augustinus die Schwierigkeiten nach­vollziehbarer Veränderung des eigenen Tuns. Er empfahl früh schon den Stich ins Wort der Bibel als Methode zur Erklärung der kommenden Biografie.

Die Konferenz behandelt an diesem Tag das Problem der Vernünftigkeit von eigenwilligen Wandlungen in folgenden Fragen: Ist die Reichweite menschlicher Gliedmaßen wirklich beschränkt? Wie kann man aus umständlicher Erfahrung klüger werden? Wer nicht überwacht wird, existiert nicht: stimmt das? Warum benötigen Affekte metallurgische Formen? Warum ist der rasende Stillstand die vernünftige Abbildung der Liebe? Warum kann die Zukunft von gestern auch morgen noch richtig sein? Ist Prävention die oberste Priorität einer Infrastruktur der Endzeit? Warum stabilisieren antike Gesänge die moderne Nautik?

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TAG 06       VOLIERE

Die ornithologische Sektion ist den Philosophischen Bauern seit alters her ein besonderes Bedürfnis. Und deshalb wird auch in diesem Jahr das Konferenzthema ornithologisch reflektiert. Nicht nur den Vogelflug, den Hahnenschrei oder den Fasanenkot: die Zeichenwelt des avianen Tierreichs hält noch viele weitere Facetten für die abduktive Deutungskunst bereit – und dies insbesondere durch ihre eingehegten Genossen.

Die Konferenz wird sich an diesem ornithologischen Tag den Problemen der Einhegung widmen: Gibt es Blutvergießen beim Vogelfang? Welche Taktiken der Stressminimierung können auch ohne Käfighaltung sinnvoll sein? Warum ist eine Trennung von unreinen und reinen Vögeln mehr als vernünftig? Sind Inseln Brutstätten für Verhaltensänderungen? Begehen Vögel Hochverrat? Entwickeln Hähne eine Kommunikationsstrategie? Gibt es ein Krähenrecht gegen Hinrichtung? Warum ist Risotto eine rührende Angelegenheit?

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TAG 07       EUKARYOTA

Im Nukleus der eukaryotischen Lebensformen, zu denen die Tiere gehören, wohnt ein besonders sensibles Sensorium: Tiere ahnen schon die bevorstehende Veränderung, während die Menschheit noch daran arbeitet, sich in den bestehenden Verhältnissen zurechtzufinden. Seitdem der Mensch das erkannt hat, ist die Existenz des Tierreichs seine schmerzhafteste narzisstische Kränkung – und nicht etwa Kopernikus, Darwin oder Freud.

Das Tagesprogramm nähert sich der eukary­otischen Leistungsfähigkeit im Veränderungsmanagement anhand verschiedener Tierarten: Ist das Gewürm, das auf der Erde kriecht, poetisch? Was lernt der Philosoph vom Elephantenmann-Syndrom? Warum ist der Elephantenvogel die Rettung des ratlosen Seemanns? Ist eine Safari zur Beobachtung des unbeobachtbaren Tierreichs möglich? Sind Hautflügler die geborenen Interpreten der Heiligen Schrift? Können Spinnen ein Gemeinwesen stiften? Gibt es eine apokalyptische Zoologie? Macht eine Apokalyptische Reitschule Spaß?

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TAG 08      REVELATIO

Allen Veränderungen der Menschheitsgeschichte ist eines gemeinsam: sie verblassen und sind der Rede nicht wert, wenn sie sich dem Vergleich mit der großen Veränderung stellen müssen, von der die Offenbarung des Johannes berichtet. Aber solange die Siegel nicht gebrochen und die Posaunen nicht geblasen sind, sonnt sich die Menschheit im Stolz darüber, die bisheri­gen Veränderungen überstanden zu haben. Dieser Stolz muss gebrochen werden.

Am Schlusstag der Konferenz präsentieren sich die beteiligten Organisationen als Experten für revelatorische Fragestellungen, die das rationalistische Gemüt trüben werden: Kann ein apokalyptischer Posaunenchor einen Konzertsaal verzücken? Wird der Wandersmann, je höher er steigt, zunehmend nihilistischer? Wodurch unterscheidet sich die Stimme Gottes in mir von einer Psychose? Was hat das Jüngste Gericht mit Digitaler Spaltung zu tun? Kann die Wissenschaft die Bedingungen für das Erscheinen der Sieben Zeichen herstellen? Welche Anforderungen stellt die Neuauflage des Buchs des Lebens an die künftigen Leser? Wie groß ist der Handlungsspielraum des Architekten beim Bau des Neuen Jerusalem? Ist die Apokalypse musikalisch?

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